3 Fragen an
Rébecca Wittwer, ehemalige Leiterin der Luzerner Notschlafstelle
Sie haben mehrere Jahre die Luzerner Notschlafstelle geleitet. Was vermissen Sie aus dieser Zeit?
Die Arbeit war existentiell, wichtig und zutiefst erfüllend. Ich vermisse die Direktheit, Ehrlichkeit, Kreativität und Dankbarkeit der Gäste. Die grosse Wertschätzung, die wir Mitarbeitenden vom Vorstand und den Verantwortlichen erfuhren, war stets spürbar – und tat gut. Mit viel Dankbarkeit denke ich an die vielen wundersamen und wunderbaren Begegnungen zurück, die mich geprägt haben.
Sie haben an der Gedenkfeier für sucht- und armutsbetroffene Menschen in der Matthäuskirche teilgenommen. Weshalb?
Weil in dieser Feier die Angehörigen gehört, ernst genommen und mit einer Stimme versehen werden. Ein tröstendes, verstehendes und heilendes Abschiedsritual mit Kerzen ist wichtig – gerade anstelle des früher so verbreiteten «Totschweigens», das oft mit Scham und Ausgrenzung einherging. Diese Feier setzt ein Zeichen der Würde.
Was wünschen Sie sucht- und armutsbetroffenen Menschen?
Die gesellschaftliche Ächtung von sucht-, armutsbetroffenen und psychisch erkrankten Menschen ist beschämend. Ich bin dankbar, dass in Luzern vielfältige Überlebenshilfeangebote entstanden und gewachsen sind – besonders sichtbar im Jubiläum der kirchlichen Gassenarbeit (heute: Tragwerk) und ihrer Weiterentwicklung. Diese Angebote helfen den Menschen ganzheitlich: ihrem Körper, ihrer Gesundheit und nicht zuletzt ihrer Seele.