Studie: Prävention als zentrales Thema für die Reformierte Kirche
Der Synodalrat der Reformierten Kirche Kanton Luzern hat das Forschungsinstitut gfs.bern mit einer Studie zur Prävention und zum Schutz vor Grenzverletzungen beauftragt. Die Ergebnisse zeigen: den Mitgliedern ist bewusst, dass kirchliche Arbeit von Nähe lebt und es Risikosituationen gibt. Sensibilisierung, klare Meldewege, verbindliche Standards, Schulungen und weitere Massnahmen erhalten breite Zustimmung.
Dienstag, 17. März 2026
Das Forschungsinstitut gfs.bern hat im Januar bis Anfang Februar rund 4‘000 reformierte Mitglieder brieflich angeschrieben. 774 Personen nahmen an der Befragung teil. Die Studie umfasst eine Analyse zu Risikosituationen und die Erhebung von Erfahrungen mit körperlichen, psychischen, sexuellen sowie spirituellen Grenzverletzungen in den Kontexten der Reformierten Kirche im Kanton Luzern. Zudem beurteilten die Befragten unterschiedliche Schutzmassnahmen nach Wichtigkeit. «Wir wollen ein sicherer Ort für das Miteinander sein. Mit der Studie fördern wird das Verständnis für das Thema und erfahren gleichzeitig, was unsere Mitglieder von uns erwarten. Gestützt auf die Studienergebnisse können wir unsere Präventionsarbeit weiter ausbauen», sagt Lilian Bachmann, Synodalratspräsidentin.
Prävention als zentrales Thema
Für gfs.bern fasst Projektleiter Tobias Keller die Ergebnisse wie folgt zusammen: «Grenzverletzungen zu erkennen und Schutzmassnahmen wie klare und transparente Meldewege zu etablieren, sind ein zentrales Thema für die Reformierte Kirche.» Die Studie zeigt zudem, dass die Reformierte Kirche bei ihren Mitgliedern eine solide Vertrauensbasis geniesst. Dieses Vertrauen stärkt die Glaubwürdigkeit der Kirche im Umgang mit dem Thema Prävention und Schutz vor Grenzverletzungen.
Breite Zustimmung zu Präventionsmassnahmen
Die vorgeschlagenen Präventions- und Interventionsmassnahmen stossen auf sehr hohe Zustimmung. Besonders wichtig sind klare Meldewege, Transparenz im Umgang mit Fällen und verbindliche Standards für Mitarbeitende. Auch Schulungen und Sensibilisierung werden stark unterstützt. Massnahmen wie die Anwendung eines Verhaltenskodex, externe Meldestelle sowie verpflichtende Schulungen zu Macht, Nähe und Grenzverletzungen werden überdurchschnittlich häufig als «sehr wichtig» eingestuft.
Sensibilität für Nähe
Die Ergebnisse zeigen auch eine hohe Sensibilität für die besondere Rolle von Nähe im kirchlichen Zusammenhang. Bei Aussagen zu Macht, Nähe und dem Miteinander stimmen 83 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass kirchliches Leben von Nähe und Emotionen geprägt ist und dass über Grenzverletzungen offen gesprochen werden soll sowie Schutzmechanismen allen bekannt sein sollen. Gleichzeitig geben rund die Hälfte der Befragten an, dass sie nicht einschätzen können, wie häufig Grenzverletzungen vorkommen. Für gfs.bern ist diese Unsicherheit ein Hinweis darauf, dass Informationsbedarf besteht.
Situationen von Grenzverletzungen
Die persönliche Erfahrung von Grenzverletzungen wurde auch erfragt. Im Fragebogen wurde der Begriff wie folgt umschrieben: «Grenzverletzungen sind Verhaltensweisen, bei denen körperliche, psychische, sexuelle oder spirituelle Grenzen einer Person missachtet oder überschritten werden. Sie werden begünstigt durch Rollenunterschiede, Machtgefälle oder fehlende Rücksicht auf die Bedürfnisse und Signale des Gegenübers. Grenzverletzungen können unbeabsichtigt oder bewusst erfolgen und reichen von unangemessener Nähe bis zu missbräuchlichem Verhalten.» Hier haben die Teilnehmenden 29 Situationen angegeben, die sie als grenzverletzend wahrgenommen haben. Die am häufigsten genannten Situationen betreffen «verletzende oder abwertende Aussagen», «unangemessene Macht/Autorität» und «Druck zur Teilnahme an Aktivitäten».
Schweizweit neue Ansätze
Die Reformierte Kirche Kanton Luzern hat in den letzten Jahren intensiv daran gearbeitet, bestehende Ansätze in der Präventionsarbeit weiterzuentwickeln und versucht Lücken zu schliessen. Synodalrat Markus Pfisterer sagt dazu: «Prävention und Schutz vor Grenzverletzungen sind Teil unserer gesellschaftlichen Verantwortung. Daher investieren wir sehr viel und setzen bewusst auf umfassende und auch neue Ansätze sowie Massnahmen. Mit Forschung wie der Studie von gfs.bern und partizipativen Prozessen entwickeln wir eine Kultur des gemeinsamen Verständnisses und des Hinschauens weiter.» Ein neuer Ansatz ist auch die vom Luzerner Unternehmen LST AG entwickelte online Monitoring- und Kommunikationsplattform «Deklaris». Sie ermöglicht es, Verhaltenskodex, Schulungen, Meldewege, Registerauszüge und weitere Präventionsmassnahmen zu erfassen und auch Freiwillige in die entsprechenden Prozesse systematisiert einzubinden. Deklaris steht allen Organisationen mit einem Lizenzsystem zur Verfügung und kann auch in anderen Organisationen eingesetzt werden.
Weitere Unterlagen und Links:
- Medienmitteilung zur Studie Prävention vom 17. März 2026
- Studienergebnisse von gfs.bern als Präsentation
- Studienergebnisse im Detail von gfs.bern im digitalen Cockpit
- Ausgangslage und geplante Massnahmen Prävention Reformierte Kirche Kanton Luzern aus Präsentationen für Kirchgemeinden, Medien sowie Landeskirchen
- Mehr Informationen zur Prävention der Reformierten Kirche Kanton Luzern als Übersicht
- Zur externen und unabhängigen Meldestelle
- Mehr zum online Tool Deklaris