Grenzverletzungen erkennen und verhindern: Erste Pilotschulung durchgeführt
Wie viel Nähe ist angemessen? Wo beginnen Grenzverletzungen? Und wie können Mitarbeitende im kirchlichen Alltag verantwortungsvoll mit schwierigen Situationen umgehen? Mit diesen Fragen beschäftigten sich die Teilnehmenden der ersten Pilotschulung zum Schutz und zur Prävention von Grenzverletzungen.
Dienstag, 27. Oktober 2026
Die Reformierte Kirche Kanton Luzern setzt sich dafür ein, dass Kirche ein sicherer Ort für alle Menschen ist. Gerade in der kirchlichen Arbeit entstehen Beziehungen, die von Vertrauen, Nähe und gegenseitiger Unterstützung geprägt sind. Gleichzeitig beinhalten unterschiedliche Rollen und Machtverhältnisse die Gefahr von Machtmissbrauch und Grenzverletzungen. Dies zeigen die Ergebnisse der Studie, welche die Reformierte Kirche Kanton Luzern bei gfs.bern in Auftrag gegeben hat. Umso wichtiger ist es, Mitarbeitende und Verantwortliche für diese Situationen zu sensibilisieren und ihnen Handlungssicherheit zu vermitteln. Im Rahmen des Projekts «Schutz und Prävention von Grenzverletzungen» fand am 20. Oktober 2026 eine erste ganztägige Pilotschulung statt. Teilgenommen haben Angestellte der Kirchgemeinden und der Landeskirche aus unterschiedlichen Berufsgruppen. So sind unterschiedliche Blickwinkel und Beispiele für den Dialog eingeflossen. Geleitet wurde die Veranstaltung von Karin Iten von der Fachstelle MachtRaum. Auch Synodalrat Markus Pfisterer nahm als Projektleiter an der Schulung teil.
Wo beginnt eine Grenzverletzung?
Ein Schwerpunkt der Schulung lag auf der Frage, wie Grenzverletzungen im Alltag erkannt und verhindert werden können. Denn nicht jede problematische Situation ist auf den ersten Blick eindeutig. Zwischen angemessenem Verhalten und klaren Grenzüberschreitungen bestehen häufig Graubereiche, die eine bewusste Auseinandersetzung und Sensibilisierung erfordern. Anhand konkreter Fallbeispiele diskutierten die Teilnehmenden, welche Formen körperlicher, emotionaler und spiritueller Nähe im kirchlichen Umfeld angemessen sind und wo besondere Vorsicht geboten ist. Dabei wurde deutlich: Nähe ist ein wichtiger Bestandteil kirchlicher Arbeit. Entscheidend ist jedoch, dass sie professionell gestaltet wird und die persönlichen Grenzen sowie die Selbstbestimmung aller Beteiligten respektiert werden.
Praxisnaher Austausch und gemeinsame Reflexion
Neben fachlichen Inputs von Karin Iten stand insbesondere der Austausch im Mittelpunkt. In Gruppenarbeiten analysierten die Teilnehmenden unterschiedliche Alltagssituationen, diskutierten mögliche Risiken und entwickelten Handlungsansätze. Ein wichtiges Instrument bildete dabei der Verhaltenskodex der Reformierten Kirche Kanton Luzern. Er bietet Orientierung für einen respektvollen und verantwortungsbewussten Umgang miteinander und hilft, schwierige Situationen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Die Schulung verdeutlichte, wie wichtig eine offene Gesprächs- und Feedbackkultur ist, damit kritische Situationen nicht verschwiegen, sondern frühzeitig thematisiert werden können.
Prävention als gemeinsame Verantwortung
Die Pilotschulung ist ein weiterer Schritt zur Verankerung von Schutz und Prävention im kirchlichen Alltag. Sie diente zugleich dazu, die Inhalte und den Ablauf der Schulung in der Praxis zu erproben und Rückmeldungen für die Weiterentwicklung künftiger Schulungen zu sammeln. Ziel des Projekts ist es, nicht nur klare Regeln und Abläufe zu schaffen, sondern auch eine Kultur der Achtsamkeit, Transparenz und gegenseitigen Verantwortung zu fördern. Mit dem Projekt «Schutz und Prävention von Grenzverletzungen» stärkt die Reformierte Landeskirche zusammen mit den Kirchgemeinden das Bewusstsein für einen sicheren und respektvollen Umgang mit Menschen – sowohl innerhalb der kirchlichen Organisation als auch in ihren vielfältigen Angeboten.
Weitere Informationen zum Projekt: www.reflu.ch/praevention