«Selten langweilig und nur so bürokratisch wie nötig»
Seit rund drei Jahren ist Nadja Zgraggen als Geschäftsführerin in der Reformierten Kirchgemeinde Luzern tätig. Ihre Zwischenbilanz fällt positiv aus, insbesondere wegen den Menschen, die sie tragen und begleiten.
Nadja Zgraggen, wie fällt die Bilanz dieser drei Jahre aus?
Ausgesprochen erfreulich. Ich durfte in diesen drei Jahren enorm viel gestalten. Das war nur möglich, weil mir der Vorstand grosses Vertrauen schenkt und mir viel Freiraum gibt. Ich konnte Prozesse gestalten, Schwerpunkte setzen und Entwicklungen anstossen. Kurz: ich durfte wirklich etwas bewegen.
Wie ist Ihnen das gelungen?
Ich habe das Glück, mit einem fachlich topfitten und kreativen Team zu arbeiten. Auch der Vorstand ist mit grossem Engagement, hoher Professionalität und viel Herzblut am Start. Diese Rahmenbedingungen sind goldwert. Ich fühle mich in meiner Rolle sehr getragen und ehrlich gesagt – selten gelangweilt.
Wo wurden Ihre Erwartungen übertroffen, was stellte sich als grössere Herausforderung heraus?
Immer wieder positiv beeindruckt mich die hohe Kompetenz und das Engagement im Team – das ist wirklich aussergewöhnlich. Unerwartet herausfordernd ist das Arbeiten in einer Organisation, die sich durch den Mitgliederschwund verkleinert. In meinem bisherigen beruflichen Alltag hiess die Devise immer: Wachsen!
Was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit?
Die unglaubliche Vielseitigkeit! Kein Tag ist wie der andere. Mal geht es um strategische Fragen, mal um Menschen, mal um Gebäude. Ich kann gemeinsam mit anderen neue Wege entwickeln, Strukturen und Arbeitsprozesse überdenken. Es begeistert mich, zu überlegen, wie Dienstleistungen besser funktionieren können. Wie wir eine gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitenden, den Behördenmitgliedern, Partnern erreichen können. Wenn das gelingt, ist es für alle erfüllend.
Wem kommt Ihre Arbeit zugute?
Wir in der Kirchengutsverwaltung sorgen dafür, dass die Arbeit an der Basis als Ganzes gut funktioniert. Wir kümmern uns um Themen wie Personal, Finanzen und Immobilien – also um vieles, das man im Alltag nicht sieht, aber trotzdem laufen muss. Wir schaffen gute Rahmenbedingungen damit vor Ort Kirche gelebt werden kann.
Die Reformierte Kirche lebt von Mitbestimmung. Wie erleben Sie diesen demokratischen Prozess?
Partizipation und Mitverantwortung gehören zum reformierten Erbgut – das gefällt mir sehr. Demokratie ist manchmal etwas träger, als ich es gerne hätte. Aber wenn viele Perspektiven in eine Entscheidung miteinfliessen, werden Entscheidungen tragfähiger. Das gilt in der Kirche genauso, wie sonst im Leben. Gerade jetzt im Organisationsentwicklungsprozess, wo wir die Strukturen der Kirchgemeinde Luzern neu denken und gestalten, ist Partizipation besonders wichtig.
Welche Themen beschäftigen Sie aktuell?
Ein zentrales Thema ist das Spannungsfeld zwischen wachsenden professionellen Anforderungen an das Personal und den bestehenden kirchlichen Strukturen. Ich möchte die Verwaltung so professionell wie möglich, aber nur so bürokratisch wie nötig gestalten. Am Ende sollen sich alle in ihrer Rolle unterstützt und wohl fühlen, sei es im Haupt- oder Ehrenamt. Wenn das gelingt, ist Kirche kein Apparat, sondern ein lebendiger Organismus.