Im Dienste der Nächstenliebe
Dienstjubiläum Seit mittlerweile 20 Jahren bringt Sozialdiakonin Petra Müller Herzblut, Offenheit und Zuverlässigkeit in die Kirchgemeinde ein – und sie denkt noch lange nicht ans Aufhören. Ein Gespräch über Herzensprojekte, Heimat, Migration und ihren treuen Begleiter Balou.
Petra, 20 Jahre in derselben Kirchgemeinde sind heute eine lange Zeit. Wie fühlt sich dieses Jubiläum für dich an?
Ich hätte nicht gedacht, dass ich einmal so ein Jubiläum erreiche, und empfinde eine grosse Dankbarkeit: Dass ich in meinem Berufsweg, mit vielen Veränderungen und auch schwierigeren Zeiten, getragen wurde durch Gottes Kraft und das Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde – und so viel Schönes und Gutes erfahren durfte. Auch heute übe ich meine Arbeit noch mit viel Freude aus.
Von den «POWER Girls» über das 60plus-Frühstück bis zu Religionsunterricht, Sozialberatung und Gebetsdienst: Deine Aufgaben sind vielfältig. Woher nimmst du die Energie und Ideen dafür?
Die Ideen kommen mir, indem ich hinhöre, was die Menschen sagen oder welche Bedürfnisse sie äussern. Manchmal entstehen sie auch aus eigenen Erfahrungen – so kam es zum Gebetsdienst. Da mich verschiedene Arbeitsbereiche interessieren, fällt es mir leicht, immer wieder Neues anzubieten. Meinen Mitmenschen Gutes zu tun und zu unterstützen, ist mir am wichtigsten. Wird es mit den Terminen viel, suche ich mir ‚Inseln' zur Erholung im Gebet und in meiner Freizeit.
In einem früheren «Wägwiser» erwähntest du eine Jugendliche, die nach Jahren zu den POWER Girls zurückkehrte und die Gruppe mit «Heimat» verband. Was braucht es, damit Kirche das bieten kann?
Kirche sollte ein Ort sein, wo sich alle willkommen fühlen können, genau so wie sie sind – wo Menschen auf Augenhöhe sich zu den Mitmenschen hinwenden. Wo Angebote da sind, die Gemeinschaft entstehen lassen und durch gelebte Nächstenliebe Vertrauen und Heimatgefühle entstehen können.
Deine Mutter kam 1950 aus Italien in die Schweiz. Inwiefern prägt diese eigene Familiengeschichte deinen Blick auf Themen wie Migration, Integration und das Brückenbauen zwischen Menschen?
Diese Prägung macht einen Grossteil meiner Wesensart aus. Ich gehe mit dem Wunsch durch die Welt, dass wir alle das Verbindende bei anderen suchen sollten und nicht das Trennende. Durch Ausgrenzung, Angst und Verurteilung entsteht Diskriminierung. Schon früh habe ich daraus eine Zivilcourage entwickelt und stelle mich vor jemanden, wenn diese Person angegriffen wird. Nicht wegsehen, sondern Stellung beziehen oder aufklären, ist mir wichtig.
Welche inoffizielle Rolle spielt eigentlich dein Hund Balou im Diakonie-Alltag?
Balou ist mein geschätzter, täglicher Begleiter im Leben und bei der Arbeit. Viele freuen sich über seine ausgeglichene, freundliche Wesensart – er öffnet manche Herzenstüre bei Jung und Alt. Er ist einfach ein lieber Hund, der alle Menschen gerne hat. Also der perfekte Diakonie-Hund im Einsatz.
Was wünschst du dir für die kommenden Jahre in unserer Kirchgemeinde?
Dass unsere Kirchgemeinde mit ihren vielfältigen Angeboten für alle Menschen etwas anbieten kann, das sie schätzen und ihnen guttut. Und dass wir, mit Gottes Führung, eine lebendige Kirchgemeinde für und mit unseren Mitgliedern sind. Ich freue mich auf die weiteren Jahre!
Interview und Foto: Andreas Bachmann