Wenn vorn nicht mehr nur eine/-r steht
Und da ist dann noch die Frage: Wagen die Menschen den Schritt mit anzupacken?
Kirchensplitter von Pfarrerin Marie-Luise Blum
Es hat sich herumgesprochen. Nach der Katholischen Kirche sind auch die Reformierten Kirchen am Anschlag, weil es viel zu wenig Nachwuchs gibt, die sich vorstellen können, als Pfarrpersonen zu arbeiten. Seit fast zehn Jahren interviewe ich (im Auftrag des Konkordats) einmal im Jahr Menschen, die einen Quereinstieg in ein verkürztes Theologiestudium wagen. Diese Christen geben dabei oft hochbezahlte Anstellung auf, weil sie ihrem Herzen folgen und ermutigt wurden, genau diesen Richtungswechsel zu vollziehen. Auf die Frage, ob sie nicht Sorge haben, in einer Kirche angestellt zu sein, die allen Voraussagen nach kleiner und ärmer wird, haben in der letzten Runde alle mit grösster Zuversicht geantwortet: Nein, überhaupt nicht. - Die Kirche wird nicht sterben, sie wird sich nur verändern!! – Wie wohltuend, solche Hoffnungsträger kennenlernen zu dürfen.
Zurück nach Hochdorf: Ab Juni wird es durch meinen Weggang auch hier eine sogenannte Vakanz geben. (Und ich werde nicht die einzige Angestellte sein, die in den nächsten Jahren altersbedingt aufhört.) Die grosse Zuversicht der Hoffnungsträger wünsche ich mir nun für all unsere Mitglieder. Unsere Kirche lebt von Beziehungen unter Menschen und jener zu Gott. In Beziehungen tragen alle etwas bei. Ich bin mir sicher, dass sich genügend Menschen finden, die kleine Lücken im Gottesdienstplan auf ihre ganz eigene Andachtsart zu schliessen. Ich bin mir sicher, dass die Bibelmeditation weiterlebt und auch die Gesprächsrunden am Morgen. Warum bin ich mir sicher? Weil der Geist Gottes unter uns lebt und viele Talente hervorbringt, von denen eine Kirche manchmal sogar weniger Ahnung hat, wenn es immer Hauptamtliche gibt, die solche Artikel schreiben.
Und da ist dann noch die Frage: Wagen die Menschen den Schritt mit anzupacken? Sie werden es vermutlich eher wagen, wenn wir gemeinsam eine Idee entwickeln und sie umsetzen. Dann weiss man ja auch schon, dass man nicht ganz allein da vorne steht.