Kirchensplitter

Wissen Sie, dass Zwingli ein Liebhaber zeitgenössischer Musik war? Die Chorherren am Zürcher Grossmünster warfen Zwingli vor, dass er kein ernsthafter religiöser Mensch sei, weil er die Musik zu sehr liebte. 

Montag, 2. November 2026

Reformationssonntag

Zwingli rüttelte seine Zeitgenossen auf zwischen 1484 und 1531. Heute erinnern wir uns bestenfalls am Reformationssonntag noch an ihn. Den Reformationssonntag feiern wir ja in den reformierten Kirchen der Schweiz jeweils am ersten Sonntag im November. Damit unterscheidet sich unser Reformationssonntag vom Reformationstag, den die deutschen protestantischen Kirchen jeweils am 31. Oktober feierlich begehen zum Gedenken an den Thesenanschlag Martin Luthers.

Wissen Sie, dass Zwingli ein Liebhaber zeitgenössischer Musik war? Die Chorherren am Zürcher Grossmünster warfen Zwingli vor, dass er kein ernsthafter religiöser Mensch sei, weil er die Musik zu sehr liebte. Tatsächlich spielte Zwingli einige Instrumente, komponierte Lieder und sang zum Lautenspiel. Auch später warfen ihm seine katholischen Gegner vor, seine Zeit mit weltlichem Vergnügen zu verbringen. Zwingli nannte sie «unverständige Esel». Für ihn war klar: Die Musik ist eine Gabe Gottes zur Erbauung und Aufheiterung des Gemüts. Trotzdem stand in seiner neuen Gottesdienstliturgie die Bibelauslegung im Zentrum und zwar in deutscher Sprache. Alle sollten verstehen, was er predigte.

Drei Lieder von Zwingli finden sich im aktuellen Gesangbuch der Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz. Sein «Pestlied» ist eindrücklich. Als die Pest im August 1519 in Zürich ausbrach, kümmerte sich Zwingli als Leutpriester unerschrocken um die Kranken, bis er selbst erkrankte. Rund zwei Monate lang lag Zwingli im Fieber. Es grenzt an ein Wunder, dass er überlebte. Seine Erlebnisse verarbeitete er im «Pestlied», das im Gesangbuch unter der Nummer 713 zu finden ist. Zwingli war es zudem ein Anliegen, die Gemeinde am Gottesdienst aktiv zu beteiligen. Dafür sah er vor, dass die Gemeinde Psalmentexte in der Volkssprache im Wechsel sprechen sollte. Diese im Gottesdienst auch singen zu lassen, war Zwingli allerdings nicht vergönnt. Calvin trat in seine Fussstapfen. Aber das ist eine andere (Reformations-)Geschichte.

Lilli Hochuli, Pfarrerin