Kirchensplitter

Zurück zur Normalität

Schon ist es dem erhabenen August an den Kragen gegangen. Der Monat, der seinen Namen dem mächtigen römischen Kaiser Augustus verdankt, musste abdanken. Er steht in einer Reihe mit anderen gewaltigen Grössen, die ihm vorausgehen. Der Gott Januarius macht den Anfang, dann folgen weitere heilig-hehre Gestalten aus der römischen und germanischen Mythologie und Politik, die bis heute unseren Kalender schmücken.

Freitag, 28. August 2026

Augustus, der sich selber als Gott verstand und auch so verstanden werden wollte, prägte sogar über seinen Tod hinaus die Monatsfolge: wegen seines Geburtstags im September galt dieser in weiten Teilen des römischen Reiches als erster Monat im Jahreskreis. Später wurde ihm dieser Rang wieder streitig gemacht. Augustus selbst bekam in der christlichen Tradition Konkurrenz durch einen in prekären Verhältnissen geborenen Nazarener, eine kleine Nummer angesichts römischer und anderer Weltherrschafts- und «Friedens»-Phantasien.

Der September durchbricht die Parade des Grossartigen. Nüchterner und kühler ist er allein durch seine Stellung in der Monatsreihe bezeichnet: der Siebte. Nach unserer heutigen Zählung stimmt das zwar nicht mehr – aber was soll’s? Irgendwie passt es zum tiefen Fall des Septembers aus höheren Sphären in die Profanität. Etwas verschüpft und unbeholfen steht er da, dieser Monat, und zeigt scheu und sperrig seine mickrige Nummer, die erst noch eine falsche ist – oder er begnügt sich, wie früher in unseren Gegenden, mit einem bäuerlichen Alltags- und Arbeitsgewand: Herbstmond oder Holzmonat.

Verschiedene Anläufe in der Geschichte, dem September doch noch ein heiliges oder wenigstens nach etwas Höherem riechendes Mäntelchen umzuhängen, sind gescheitert. Diverse römische Magnaten sollten sich selbst oder enge Anverwandte auf diese Weise verewigen.

Alle diese Versuche blieben Versuche, und so empfängt uns nach den hochsommerlichen Höhenflügen der September immer noch in seiner ganz unspektakulären, bescheidenen und sanften Einfalt: Gott sei Dank.

Dr. Hansueli Hauenstein, Pfarrer