Kirchensplitter

Vakanzen

Leer sein, frei sein – bedeutet das lateinische Verb «vacare». Davon leitet sich der Begriff «Vakanz» ab. Eine Vakanz meint also, dass eine Stelle, Position oder Funktion nicht besetzt ist. In unserer Kirchgemeinde gab es in letzter Zeit einige Vakanzen. Und damit nicht genug. 

Dienstag, 30. Juni 2026

Weitere sind bereits angekündigt und werden folgen. Vakanzen sind in Zeiten von Fachkräftemangel nichts Aussergewöhnliches. Trotzdem haben sie allgemein einen schlechten Ruf. Dabei sind sie die stillen Philosophen der Arbeitswelt: Sie erinnern daran, dass auch die beste Planung gelegentlich eine Lücke bekommt.

Die Gründe, warum es zu Vakanzen kommt, sind vielfältig; freiwillig und unfreiwillig. Vakanzen aus freiwilligen Gründen können uns erstaunen, wenn beispielsweise eine langjährige Mitarbeiterin überraschend kündigt. Eine Mutterschaft löst meistens freudige Gefühle aus, wohl auch mit Blick auf die Hoffnung, dass die Vakanz nur ein paar Monate dauern möge und nach dem Mutterschaftsurlaub wieder beendet sein wird. Ganz anders sieht es bei Vakanzen aus unfreiwilligen Gründen aus, beispielsweise nach Schicksalsschlägen wie Tod, Krankheit oder Unfall. Diese Vakanzen machen uns traurig, betroffen, hilflos. Das landeskirchliche Personalgesetz sieht aus Altersgründen eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses vor, spätestens am Monatsende nach Erreichen der (AHV-)Altersgrenze. Solche Vakanzen sind für die Kirchgemeinde zwar vorhersehbar. Aber sie hinterlassen ebenfalls schmerzhafte Lücken. Lücken, die nicht einfach gefüllt werden können.

Vakanzen sind die Lücken zwischen dem Ende des Bisherigen und dem Anfang des Neuen. Wir brauchen sie, um das Ende loszulassen und den Anfang zu empfangen. «Anfang und Ende liegen bei dir, Herr, füll du uns die Hände», heisst es im bekannten Kanon (RG 345). So blicke ich mit Zuversicht und Freude in die Zukunft und danke allen, die durch ihre Tätigkeit und ihre Dienstleistungen dazu beitragen, Vakanzen zu überbrücken. Damit wird der Weg frei für neue Personen, die bereit sind, Vakanzen zu beenden und sich auf ihre Art in die Kirchgemeinde einzubringen – als Ehrenamtliche und Freiwillige, als Pfarrperson, Sekretärin, Sigrist oder Sigristin und Synodale.

Lilli Hochuli, Pfarrerin