Kirchensplitter

Optimismus versus Hoffnung

Sind Sie optimistisch? Also was unser Zusammenleben angeht? Bei Klimawandel, Krieg, sozialen Spannungen und der Welle, die mit KI über uns hereinbrechen und enorme Zahlen von Arbeitslosen nach sich ziehen kann? 

Donnerstag, 30. April 2026

Viele namhafte Menschen, die sich mit unserer Zukunft in Europa beschäftigen, sind deutlich weniger optimistisch als noch vor fünf Jahren. Es sieht fast so aus, als ob Optimisten unter ihnen sogar vom Aussterben bedroht sind. 

Václav Havel wird folgende Sicht nachgesagt:

Hoffnung ist das Gegenteil von Optimismus. Hoffnung ist eben nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht. Hoffnung ist die Gewissheit, dass etwas Sinn macht – egal wie es ausgeht. 

Ich spinne den Gedanken weiter: Die empirischen Grundlagen von Hoffnung waren und sind Leid, Hunger, Krieg, Depression, Krankheit. Wenn auf diesem Boden etwas Gutes wächst, dann nennt man dies Hoffnung – nicht Optimismus. 

Optimisten werden enttäuscht, wenn die Welt ungemütlich wird. Hoffnung jedoch bleibt – auch in schweren Zeiten. In guten Zeiten mögen Optimismus und Hoffnung schwer zu unterscheiden sein, doch in schwierigen Zeiten überlebt nur die Hoffnung.

Vielleicht ist es nicht mehr abzuwenden, dass die Optimisten für einen Moment aussterben. Aber was niemals aussterben wird, sind die Hoffnungsträgerinnen.

Unsere Bibel spricht von dieser Art Hoffnung, einer Hoffnung, die eigentümlich unabhängig von Umständen ist. Zum Beispiel im zweiten Timotheusbrief 1,7: 

Gott hat uns keinen Geist der Verzagtheit oder der Furcht gegeben, sondern einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.

In diesem Sinne lasst uns gehen mit der Kraft, die uns geschenkt wird. Einfach, leichtfüssig, zart und doch bestimmt. Lasst uns auf die Hoffnung ausrichten. Gottes Geist geleite uns.

Fiona Roggli (Theologiestudentin) und Marie-Luise Blum